30.08.2019 12:10 Alter: 84 days

„Jazz kann auch nach Heavy Metal klingen!“

Heute ist es wieder soweit: Das von uns geförderte Travejazz-Festival findet statt! Vom 5. bis 8. September läuft diese Veranstaltung, die unglaublich viel zu bieten hat – auch fernab der Musik. Wir haben uns mit den beiden Travejazz-Organisationsmitgliedern Felix Griese (Festivalleitung) und Thorsten Hingst (Künstlerischer Leiter, Programmplanung, Künstlerbetreuung) zum Interview getroffen, um mehr über dieses viertägige, musikalische Großereignis zu erfahren...


Starten wir mit einer Kurzvorstellung: Wie haben Sie zum Jazz und speziell dem Travejazz-Festival gefunden?

Thorsten Hingst: Ich arbeite als Musikjournalist und schreibe für deutsche Fachmagazine. Sollte ich anfangs noch die Pressearbeit für das Festival übernehmen, konnte ich mich schnell im Bereich der Künstlerakquise einbringen – Musiker kontaktieren und internationale Verbindungen aufbauen. Zur Musik selbst habe ich schon als Kind gefunden: Über Klassik, Pop und Rock bin ich zum Jazz gekommen – und diese Faszination hat mich nie wieder losgelassen!

Felix Griese: Ich bin studierter Musiker und Posaunist. Während ich in meiner Jugend eher Klassik gespielt habe, entdeckte ich später den Jazz und habe ihn nicht mehr aus den Augen verloren. Zum Thema Festival: Eines Tages haben mich Bekannte angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, als Veranstalter mitzuwirken. Daran hat mich vor allem gereizt, mal ein Festival aus der Veranstalterperspektive zu erleben. Letztes Jahr habe ich dann die Festivalleitung offiziell übernommen.

 

Wann ist  das Travejazz-Festival denn überhaupt ins Leben gerufen worden und was war die Idee dahinter?

Felix Griese: Das erste Travejazz-Festival hat im Jahr 2014 stattgefunden und es findet jetzt zum sechsten Mal statt. Angefangen hat das Ganze mit einem kleinen Kreis aus Musikschaffenden und Geschäftsleuten, die sich gedacht haben: Hier in Lübeck fehlt ein Jazz-Festival! Inzwischen hat unser Verein um die 15 Mitglieder; das für das Festival zuständige Organisationsteam setzt sich aus neun Leuten zusammen.

 

Und seit wann laufen die Vorbereitungen für dieses Jahr? Was bereitet Ihnen hierbei besonders viel Freude? Gibt es auch mal Schwierigkeiten?

Thorsten Hingst: Die Arbeit hört nie auf! Bereits am Tag nach dem Festival geht schon die heiße Phase fürs nächste Jahr los. Wir müssen schließlich viel berücksichtigen: Der internationale Musikmarkt muss frühestmöglich sondiert, die Locations müssen gebucht und finanzielle Partner müssen gefunden werden – ein echter Kraftakt! Dennoch habe ich sehr viel Spaß daran, das Programm auszuarbeiten. Ist musikalische Vielfalt geboten? Ist das Ganze bezahlbar? Unser Ziel ist es immer, die Menschen auf unsere Musik neugierig zu machen. Schwierigkeiten können dabei natürlich immer auftreten. Letztes Jahr war beispielsweise unser Festivalgelände eine große Baustelle und konnte nur eingeschränkt genutzt werden.

Felix  Griese: Mir als Musiker bereitet es riesige Freude, auf der anderen Seite der Bühne zu stehen und ein gutes Umfeld für die Musik, Musiker und Besucher zu schaffen. Manchmal ist es schwierig, finanziell planen zu können, da unser Gesamtbudget erst wenige Monate vor Beginn des Festivals feststeht.

 

Gibt es spannende Neuerungen im Vergleich zu den bisherigen fünf Festivals?

Felix Griese: Ja! Es gibt erstmalig einen geballten Block aus Nachwuchsmusikern. Am Samstagnachmittag finden drei Konzerte ohne Eintritt statt – wir wollten ein besonderes Augenmerk auf die Nachwuchsförderung legen. Daher wird auch seit vier Jahren von uns gemeinsam mit dem Verein Jazzpool Lübeck der Lübecker Jazzpreis, eine explizite Auszeichnung des Nachwuchses, verliehen. Der Gewinner erhält nicht nur 1500 Euro, sondern tritt nach der Preisübergabe auch selbst auf. Der vierte Musik Act eines Nachwuchsmusikers am Samstagnachmittag!

 

Was ist eigentlich das Besondere des JAZZ? Warum sollte jemand, der nicht musikbegeistert  ist, dort hingehen?

Thorsten Hingst: Jazz ist hochspannend! Oft wissen nicht einmal die Künstler selbst, was bei ihrer Live-Performance passieren wird. Neben den komponierten Parts gibt es nämlich auch viele improvisierte Teile. Des Weiteren fließen alle möglichen Musikstile im Jazz zusammen, die Musik bleibt nie stehen. Ich habe sogar schon Jazzbands gehört, die wie Heavy Metal Bands klingen! Jazz ist einfach extrem wandlungsfähig und klingt, für mich zumindest, niemals künstlich.

Felix Griese: Mich fasziniert vor allem der Live-Aspekt. Daher mein Rat an alle, die mit Jazz nicht vertraut sind: Hört ihn euch unbedingt live an und lass euch emotional darauf ein! Wir haben dieses Jahr zum Beispiel zwei echte Top Acts im Abendprogramm. Am Freitag wird die lebende Legende Rolf Kühn zusammen mit dem renommierten Schlagzeuger Eric Schaefer das Publikum begeistern. Der 89-jährige Klarinettist Kühn hat die gesamte Jazz-Historie miterlebt und geprägt und ist einer von ganz wenigen Deutschen mit Weltgeltung. Am Samstagabend folgt dann das nicht minder spannende Kontrastprogramm: Die Nighthawks, eine Band mit Einflüssen aus Rock und Funk schicken sich an, das Publikum von den Sitzen zu reißen.

Thorsten Hingst: Kurzum: Man muss die Musik nicht verstehen. Man muss sie viel eher auf sich wirken lassen: Ist da Groove, ist da kein Groove? Viele haben noch ein altmodisches Bild vom Jazz, denn gerade in den 1960ern war diese Musik ein großes Durcheinander und schwierig zu greifen. Aber diese Zeiten sind lange vorbei!

 

Wie läuft denn die Betreuung solch erfahrener Stars ab? Gibt es auch mal ausgefallene Sonderwünsche?

Thorsten Hingst: Also, normalerweise gibt es keine Sonderwünsche (lacht). Wir sorgen aber natürlich für die Unterbringung der Künstler, übernehmen die Reisekosten und die Verpflegung. Zudem sind warmes Essen und Snacks im Backstage-Bereich ein Muss.

Felix Griese: Wir wollen eine echte Wohlfühl-Atmosphäre herstellen! Dazu gehört es auch, kleine Sonderwünsche zu bedienen, mitunter ist auch mal eine Flasche Bourbon-Whiskey dabei. Uns ist die Mischung aus Professionalität und familiärem Umgang sehr wichtig.

Thorsten Hingst: Für den Erfolg der Veranstaltung ist es natürlich sehr wichtig, dass unsere Künstler sich wohlfühlen. Das Publikum soll ja bestmöglich unterhalten werden und da hilft es keinem, wenn auf der Bühne Stinkstiefel stehen, die keine Lust haben. Das Kümmern unsererseits wird auch immer sehr wertgeschätzt. Wir bekommen jedes Jahr richtig positives Feedback, worauf wir sehr stolz sind.

 

Was sind Ihre diesjährigen Wünsche für das Festival?

Felix Griese: Das Festivalgelände soll ein schöner Ort zum Verweilen sein. Dafür ist gutes Wetter natürlich essenziell. Wir hoffen, dass Petrus uns wohlgesonnen ist! Und natürlich auch, dass die Musiker gut drauf sind und unser Programm großen Zuspruch findet.

Thorsten Hingst: Genau, Sturm und Gewitter würden uns nicht helfen (lacht). Und es wäre schön, wenn die Halle voll ist.

 

Zum Abschluss: Beschreiben Sie das Festival mit drei Worten!

Felix Griese: Professionell, familiär und Jazzmusik!

Thorsten Hingst: Jazz live erleben!

 

 

Weitere Infos finden Sie auf der offiziellen Homepage unter: http://www.travejazz.de/