19.04.2021 10:37 Alter: 181 days

„Es ist eine große Ehre für mich, Lübeck zu repräsentieren“

Simon Müller investiert wöchentlich über 20 Stunden in sein Training: Das sind dann 12 bis 16 Kilometer Schwimmen, circa 250 bis 300 Kilometer Radfahren und 90 bis 110 Kilometer Laufen. Das harte Trainingspensum macht sich bezahlt, der 25-jährige Triathlet gehört zur Weltspitze seiner Altersklasse. Im Interview erzählt das TEAM LÜBECK-Mitglied von seinen Anfängen, bisherigen Erfolgen und zwei ganz besonderen Erlebnissen…


Simon, wie hast du zum Triathlon gefunden? Die Sportart war ja lange Zeit eher unbekannt…

„Das stimmt, auch ich habe zunächst zwölf Jahre ziemlich ambitioniert Fußball gespielt, ehe ich mir innerhalb eines Jahres zweimal die gleichen Bänder am Sprunggelenk gerissen habe. Ich habe dann verletzungsbedingt aufgehört und bin 2014 zum Triathlon gekommen, da ich schon immer Lust am Laufen hatte. Ich hatte zu der Zeit weder ein Rennrad noch jemals richtiges Schwimmtraining. Die Sportart hat mich aufgrund ihrer Komplexität und Vielseitigkeit aber von Anfang an fasziniert. In Deutschland wird der Triathlon ohnehin immer populärer: Seit 2014 hat jedes Jahr ein Deutscher den Ironman auf Hawaii gewonnen.“

Dein Heimatverein ist der Tri-Sport Lübeck. Welche Bedeutung hat er für dich?

„Ich bin in Lübeck geboren und aufgewachsen, verbinde viele emotionale Erinnerungen mit der Stadt. Beim Tri-Sport Lübeck habe ich tolle Menschen kennengelernt und sehr schnell wahnsinnig viel gelernt. Ich hatte sofort Trainingspartner, die deutlich besser waren als ich und mich dadurch umso mehr motiviert haben. Die Unterstützung ist riesig: Wenn ich bei unserer Heimveranstaltung, dem 7 Türme Triathlon, an den Start gehe, ruft an der Strecke gefühlt alle paar Meter jemand meinen Namen. Da habe ich häufiger mal Gänsehaut. So etwas hätte ich mir nie ausgemalt.“

Inzwischen hast du auch international für Aufsehen gesorgt…

„Mit Sicherheit ist der Sieg in meiner Altersklasse bei meinem ersten Ironman 2019 auf Cozumel, Mexiko, der bisher größte Erfolg meiner Karriere. Ich konnte die 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,2 km Laufen in 8:45:02 Stunden zurücklegen und mich für die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii qualifizieren, die noch in diesem Jahr stattfinden soll. Stolz bin ich auch auf meinen 2. Platz bei der Ironman-70.3-EM 2019, die in Elsinore, Dänemark, stattgefunden hat.“

Aufgrund deiner Erfolge hast du es auf Anhieb in den A-Kader des TEAM LÜBECK geschafft. Was bedeutet dir die Förderung?

„Es ist eine große Ehre für mich, meine Stadt sportlich repräsentieren zu dürfen. Diese Unterstützung ist alles andere als selbstverständlich und eine Form der Wertschätzung für all die harte tägliche Arbeit, die man sonst nicht sieht. Triathlon ist aufgrund des vielen Equipments ein sehr teurer Sport: Allein die Räder kosten gern mal über 10.000 Euro. Viele wissen auch zum Beispiel gar nicht, dass schon das Startgeld bei einem Ironman
rund 700 Euro beträgt. Als Student ist das nur schwer zu stemmen.“

Trotz aller Herausforderungen liebst du deinen Sport und investierst unglaublich viel Zeit und Energie. Welches Ereignis ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

„Bei meinem ersten Mitteldistanz-Ironman habe ich meinen Einteiler falsch herum angezogen, weil ich es nicht besser wusste. Dann war der Reißverschluss im Wettkampf vorne statt hinten. Bis heute erzähle ich den Leuten, dass das Absicht war, damit ich mir an diesem heißen Tag beim Laufen die Schwämme besser zum Kühlen in den Einteiler stecken konnte (lacht). Ansonsten erinnere ich mich gerne an das Rennen in Mexiko zurück. Das stand wirklich unter dem Motto „pain in paradise“: links und rechts weiße Sandstrände und glasklares Wasser, grüne Landschaft und im Hinterland sogar Alligatoren. Zum Glück hatte ich vor dem Rennen noch etwas Zeit, diese traumhafte Atmosphäre zu genießen. Im Rennen selbst musst du bei den Schmerzen eher aufpassen, dass du nicht bewusst eine falsche Abbiegung nimmst und dich direkt an den Strand legst, damit es endlich vorbei ist.“

Vielen Dank für das Interview, Simon!

Wir wünschen Simon Müller viel Erfolg bei den Deutschen Meisterschaften auf der Mitteldistanz Ende Juli und bei der Ironman-WM auf Hawaii am 9. Oktober.

Fotos von oben nach unten: © Thomas Sobczak/ Marcel Hilger/ Logo TEAM LÜBECK/ Finisher Pix