Schiedsrichter zwischen Entscheidung, Kommunikation und mentaler Stärke

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 stehen die Schiedsrichter besonders im Fokus. Innerhalb von Sekundenbruchteilen treffen sie Entscheidungen, tragen Verantwortung und schaffen die Grundlage für einen fairen Spielbetrieb. Diese Bedeutung zeigt sich jedoch nicht nur auf der internationalen Bühne, sondern vor allem auch im Amateur- und Nachwuchssport: Ohne Schiedsrichter funktioniert der organisierte Sport nicht.

Mit dem Schiedsrichter-Förderkader „Klare Linie“ unterstützt die Gemeinnützige Sparkassenstiftung seit diesem Jahr besonders motivierte Lübecker Schiedsrichter:innen aus den Sportarten Fußball, Handball, Volleyball und Basketball. Neben finanzieller Förderung stehen vor allem Vernetzung, Austausch und Workshops im Mittelpunkt, um die Teilnehmer in ihrer persönlichen und sportlichen Entwicklung zu stärken.


Umgang mit Druck und Emotionen im Spiel

Der erste Workshop mit Sportmentaltrainer Lennart Kempke fand am 25. Juni statt und widmete sich dem Thema „Wenn Emotionen hochkochen – souveräne Kommunikation und mentale Stärke in Stresssituationen“. Denn die größte Herausforderung eines Schiedsrichters liegt häufig nicht in der Regelanwendung, sondern im Umgang mit Menschen.

Die Teilnehmer:innen reflektierten prägende Situationen aus ihrem Schiedsrichter-Alltag und erfuhren, wie stark Stress die eigene Wahrnehmung beeinflussen kann. Im Mittelpunkt stand die Frage, warum Spieler, Trainer, Eltern und Zuschauer emotional reagieren. Nicht die Entscheidung allein löst Emotionen aus, sondern die persönliche Bedeutung, die Menschen ihr geben. Die zentrale Erkenntnis: Die Emotion gehört dem anderen – die Reaktion gehört mir.

Schiedsrichter können nicht jede Emotion beeinflussen, aber sie können ihre eigene Reaktion steuern. Ruhe, Klarheit und Haltung helfen dabei, auch unter Druck souverän zu bleiben. Eine kurze, verständliche Kommunikation und eine konsequente Haltung schaffen Vertrauen.

Auch die mentale Stärke stand im Fokus. Sie bedeutet, Belastungen wahrzunehmen, daraus zu lernen und anschließend den Fokus wiederzufinden. Der „mentale Rucksack“ unterstützt dabei: Was nehme ich aus einer Situation mit – und was lasse ich zurück?

Zum Abschluss ging es um den Transfer der Workshop-Inhalte in den Alltag:

  • eine Erkenntnis gewinnen 

  • ein Verhalten beibehalten 

  • ein Verhalten verändern 

  • und einen konkreten nächsten Schritt festlegen. 

Denn „Klare Linie“ zu zeigen bedeutet nicht, keine Fehler zu machen oder immer die perfekte Entscheidung zu treffen. Es bedeutet, auch unter Druck Haltung zu bewahren und Verantwortung zu übernehmen.