Generationsbrücke in Lübeck

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Aus Begegnungen werden Beziehungen

„Ihr seid ja niedlich“, sagt Helga mit strahlenden Augen, als die sechs Kinder der Kindertagesstätte „Herz Jesu“ den Raum im Altenpflegeheim „Haus Simeon“ betreten. Helga ist eine von insgesamt sechs Seniorinnen, die monatlich an der Begegnung im Rahmen des Projekts „Generationsbrücke in Lübeck“ teilnimmt. Bereits seit 2017 finden diese Begegnungen statt und bringen Jung und Alt zusammen.

Insgesamt sechs Senioreneinrichtungen und sieben Kindertagesstätten aus Lübeck nehmen an dem Projekt teil und haben feste Partnerschaften in festen Gruppen geschlossen. Die regelmäßigen Begegnungen von Jung und Alt bieten den Raum, Einfühlungsvermögen zu entwickeln, Berührungsängste abzubauen sowie Toleranz und Respekt zu üben. Das vorrangige Ziel aller Beteiligten ist es jedoch, beiden Generationen ein vertrautes Miteinander und Glücksmomente zu ermöglichen. Glücksmomente, die gerade für die ältere Generation von großer Bedeutung sind: Viele Bewohner in Altenpflegeeinrichtungen bekommen fast nie Besuch, weil sie entweder keine Angehörigen mehr haben oder diese weit weg wohnen. „Es ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich, dass junge und alte Menschen sich im Alltag begegnen. Unsere Lebensumstände haben sich verändert und die Kluft zwischen den Generationen hat sich vergrößert“, erklärt Cornelia Papesch, Leiterin der Kita „Herz Jesu“. „Wir waren daher sofort begeistert, als wir von dem Konzept ‚Generationsbrücke in Lübeck‘ erfahren haben und wollten mit unserer Kita unbedingt dabei sein.“

 

Aktives Miteinander

Die Begegnungen sind so ausgelegt, dass das aktive und gemeinsame Miteinander aller Beteiligten im Vordergrund steht. Damit dies gelingen kann, bedarf es einer strukturierten Planung: „Die verantwortlichen Gruppenleitungen der Kitas und der Altenpflegeeinrichtungen sorgen für einen gelingenden Ablauf und helfen mit Veränderungen und Unsicherheiten umzugehen“, verdeutlicht Papesch. Um allen Teilnehmern ein Gefühl von Sicherheit und Kontinuität zu vermitteln, finden die Treffen stets am gleichen Wochentag, im selben Raum und zur gleichen Uhrzeit statt. Regelmäßige Begegnungen sind wichtig, da sie die Treffen für alle Teilnehmer intensiver und bereichernder machen. „Aus den Begegnungen entstehen dann oftmals Beziehungen und somit auch privater Kontakt zwischen den Partnern. Einige Senioren wurden von den Kindern sogar zu ihrer Einschulung eingeladen oder die Kinder besuchen die Senioren auch unabhängig von den Begegnungen gemeinsam mit ihren Eltern“, berichtet Lisa Waize, Leiterin der sozialen Betreuung im „Haus Simeon“.

Ein Vormittag voller Freude

An diesem Vormittag begrüßen die gut gelaunten Kinder im Alter von fünf bis sechs Jahren die Senioren mit dem bereits bekannten Begrüßungsritual per Handschlag. Da das letzte Treffen der festen Kooperationstandems bereits vier Wochen zurückliegt, beginnt das Treffen mit einem Spiel zur Auflockerung. Abwechselnd werfen sich alle Teilnehmenden einen Ball zu, sagen ihren Namen und erzählen sich von ihren Lieblingstieren oder ihrer Lieblingsbeschäftigung. „Ich bin Max und ich liebe Hasen“, sagt der Fünfjährige. Von Katze bis Pferd, über Playmobil und Malen ist alles dabei. Gemeinsames Singen gehört ebenfalls bei jeder Begegnung dazu. „Große und Kleine sind füreinander da, sind für einander da“ hallt es durch die Räume. Elisabeth ist sichtlich begeistert: „Ihr Kinder könnt so gut singen, da können wir noch etwas von euch lernen. Früher habe ich auch oft gesungen, aber was man nicht übt verlernt man.“ 

Nicht nur das gemeinsame Singen zeigt, dass Alt und Jung sich wunderbar ergänzen und etwas voneinander lernen können. Auch beim gemeinsamen Basteln profitieren die Kinder von der Lebenserfahrung der Älteren und gleichzeitig können diese sich körperlich und geistig betätigen. „Wann habe ich das letzte Mal einen Schneemann gebastelt? Das ist bestimmt 40 Jahre her. Alleine hätte ich das nicht so gut hinbekommen“, sagt Mia lachend und bedankt sich bei ihrem jungen Partner Matti „für diese schöne Erinnerung“.

Die Idee hinter diesem gesellschaftlich so wichtigen Thema stammt ursprünglich von der gemeinnützigen Organisation „Generationsbrücke Deutschland“ aus Aachen. Die Gemeinnützige Sparkassenstiftung zu Lübeck hat dieses Konzept vor drei Jahren auch hier vor Ort umgesetzt. Jung und Alt teilen seitdem bei gemeinsamen Mal-, Bastel-, und Spielvormittagen musisch-kreative, kulturelle und emotionale Erlebnisse miteinander.


Kleine Glücksmomente

Aufgrund der Corona-Krise muss derzeit leider auch das von uns initiierte Projekt „Generationsbrücke in Lübeck“, das seit 2017 Jung und Alt zusammenbringt, ausgesetzt werden. Gerade in der jetzigen Phase ist es aber von immenser Wichtigkeit, dass die älteren Menschen aus den Pflegeeinrichtungen merken, dass sie nicht alleine sind und dass an sie gedacht wird. Die Kita St. Johannes hat sich deshalb etwas Besonderes überlegt, um die Zeit bis zum persönlichen Wiedersehen zu überbrücken…

Erzieherin Monika Goldau hat uns diesen schönen Text zukommen lassen:

Post aus dem Kindergarten

Man stelle sich eine gewölbte Brücke vor. Auf der einen Seite stehen die Kindergartenkinder mit ihren Erzieherinnen und Erziehern und auf der anderen Seite stehen die Bewohner des Seniorenheimes mit ihren Betreuern. Alle tragen Mundschutz und winken, doch zum gemeinsamen Singen, Spielen, Sprechen und Basteln ist die Entfernung zu groß. Keiner weiß, wie lange diese geselligen und Freude bringenden Begegnungen noch ausgesetzt werden müssen. Doch, um den Kontakt nicht abbrechen zu lassen, haben die Erzieherinnen und Erzieher der Kita St. Johannes in Kücknitz organisiert, dass die Kinder von Zuhause aus einen Frühlingsgruß an ihre Bewohnerpartner schicken können. Alle Generationsbrücke-Kinder haben mitgemacht und ihre Karten nach eigenen Vorstellungen bunt gestaltet.

Nachdem auch die letzte Karte im Kindergartenbriefkasten angekommen ist, hat die Kollegin liebevoll einen Grußkorb geschmückt, vor der Tür des Seniorenheimes abgestellt und geklingelt. Hineingehen darf sie ja nicht! Die Verteilung der Post innerhalb des Seniorenheimes ist gar nicht so einfach, da die Bewohner aus verschiedenen Wohnbereichen kommen und die Kontaktbeschränkungen beachten müssen. Doch die Betreuer sorgen dafür, dass die Karten der Kinder gut ankommen. Auch wenn die Treffen der Generationsbrücke dadurch nicht zu ersetzen sind, entstehen beim Öffnen der Post kleine Glücksmomente, die die Gesichter erhellen. Die Betreuer haben uns berichtet, dass sich die Senioren wahnsinnig gefreut hätten und ihre Post ganz behutsam behandelt haben. Viele der Grußkarten und Geschenke hätten einen ganz besonderen Platz bekommen.

Und wer weiß… Vielleicht klingelt es auch bald an der Tür des Kindergartens und ein kleiner Korb steht davor – gefüllt mit Briefen und den besten Wünschen.

 

 

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