Die Faszination afrikanischer Kunst

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Dr. Lars Frühsorge freut sich über den spektakulären Nachlass, der
u.a. Holzskulpturen, Spielzeuge und Musikinstrumente umfasst

Es ist die größte Schenkung in der jüngeren Geschichte der hansestädtischen Museen. Der im vergangenen Jahr verstorbene Kieler Privatsammler Bernd Muhlack vermachte der Lübecker Völkerkundesammlung rund 2.600 afrikanische Kunstwerke. Wir haben mit Dr. Lars Frühsorge, dem Leiter der Völkerkundesammlung, gesprochen.


Herr Dr. Frühsorge, was bedeutet diese Schenkung für die Völkerkundesammlung?

Sie bringt frischen Wind in unsere Afrikabestände, die zum Großteil aus der Zeit vor 1918 stammen. Normalerweise zirkulieren solche Objekte jenseits der Öffentlichkeit, aber Bernd Muhlack wollte, dass seine Sammlung in einem Stück bleibt. Über viele der Kunstwerke wissen wir noch gar nichts. Um das Puzzle zu lösen, hoffen wir auf spannende Kontakte mit Afrika.

Wenn es um Kunst aus Afrika geht, kommt häufig die Debatte um Kolonialismus und Raubgut auf...
Die Gefahr sehe ich hier nicht. Bernd Muhlack war seit den 1960er Jahren im Holzhandel in Afrika tätig und hat die Kunstwerke nach der Unabhängigkeit der betreffenden Staaten im legalen Handel mit afrikanischen Geschäftspartnern erworben. Aber wir werden die Provenienz jedes einzelnen Stückes noch einmal kritisch prüfen.

Haben Sie persönliche Lieblingsstücke?
Ein Highlight ist die rund einen Meter große Maske aus Kamerun, die einen Insektengott zeigt. Sie allein würde mehrere Millionen Euro einbringen, aber natürlich ist die Maske unverkäuflich. Interessant finde ich vor allem den Blick und die Lösungen, die andere Kulturen auf die Probleme der Welt haben. Dass kleine Tiere eine große Bedeutung haben, sehen wir heute beim Insektensterben.

Wie machen Sie das Lebenswerk Bernd Muhlacks den Lübeckern zugänglich?
Dank finanzieller Unterstützung der Gemeinnützigen Sparkassenstiftung können die Kunstwerke digitalisiert und gelagert werden. Wir planen für das kommende Jahr verschiedene thematische Ausstellungen, unter anderem im St. Annen-Museum. Bis Ende August haben wir dort bereits einige explizite Stücke im Rahmen der Ausstellung „Sex und Vorurteil“ gezeigt. Denkbar sind weitere Präsentationen, etwa zu den Bereichen Umwelt oder Religion.

Dr. Frühsorge, wir danken für das Gespräch!